Gestern war Freitag der dreizehnte. Dabei hätte das heute viel besser gepasst.

Aber von vorne. Nachts war noch Autodisko der Dorfjugendlichen. Davon hat aber Sabine nur was mitbekommen. Dafür ist morgens Jugendfußballturnier. Wo gestern noch Rasen war, manifestieren sich nun Spielfeldbegrenzungen, Tore und Eckfahnen. Und bald ist jeder Parkplatz belegt, denn jede Menge Kinder werden angekarrt. Alle in voller Montur mit dem Namen ihrer Idole auf dem Rücken. Na denn.

Wir stehen so pünktlich auf, dass wir Tochter noch 100 mal rutschen auf der Seilrutsche ermöglichen können und dann pünktlich um elf am Drum Castle sind. Laut Reiseführer macht das dann nämlich auf. Laut demselben Führer soll es 6 Pfund Eintritt kosten.

Wir parken und sollen dafür 2 Pfund zahlen. Erinnerungen an das Crathes Castle gleich um die Ecke kommen uns. Bevor ich das Geld einwerfe checke ich lieber mal die Eintrittspreise. 12,5 Pfund pro Erwachsenen plus 9 Pfund für ein 5 jähriges Kind! Plus Parken macht das 45 Euro für 1-2 Stunden in diesem nicht sehr großen Gebäude.

Wir sind sauer, wie kann man innerhalb 3 Jahre (der Führer ist von 2014, also sind die Preise von ’13) den Eintritt mehr als verdoppeln? Weil man National Trust ist, solche Hammerpreise hatten sie ja schon anderswo letztes Jahr. Das wollen wir nicht unterstützen und fahren wieder ab.

Tochter ist natürlich sauer, sie wollte unbedingt ins Schloss. Wir beschließen lieber Aberdeen noch eine Chance zu geben. Letztes Jahr hatte sie sich grau in grau präsentiert, und wir sind nur durchgefahren. Mara findet das gar nicht toll und tönt nun alle 10 Minuten von hinten: ‘Blödes Aberdeen’.

 

Aberdeen

Aberdeen

Wir fahren nun mitten rein. Aus dem Reiseführer haben wir als schöne Sehenswürdigkeit das Provost Skenes House. In dessen Nähe lassen wir uns nun lotsen und haben natürlich keine Ahnung wo wir parken sollen. Viel Verkehr, eng, wir entdecken nur Parkhäuser und Mara meckert auch noch von hinten. Dazu ist die Stadt wirklich grau. Grauer Granit mit grauem Stein, grauer Asphalt und auch noch grauer Beton dazu.

Die graue Stadt

Die graue Stadt

Dann biege ich in einen Parkplatz ein, und da ist noch was frei. 2 Stunden für 2,30 Pfund, nunja ich hab drei 1 Pfund Stücke. Was kriegt man dafür? 2 Stunden parken, und der Rest verfällt. Wechselgeld zurück gibt’s auch nicht. Aberdeen macht es uns wirklich schwer, es zu mögen. Leider setzt sich das fort. Nachdem wir erst etwas planlos durch die Gegend laufen, schaffen wir es das Marischal College zu finden. Gar nicht schwer eigentlich, denn es ist riesengroß. Nur das blöde Skenes Haus finden wir nicht. Nachdem wir zweimal um den Block gelaufen sind wird es klar. Es muss irgendwie mitten in der Riesenbaustelle sein. Wir spähen durch den Bauzaun. Tatsächlich, da mitten zwischen Betontürmen und Stahlgerippen steht ein altes, kleines Häuschen.

Da ist es, gut versteckt IM neuen EInkaufszentrum, vorerst noch hinter dem Bauzaun

Da ist es, gut versteckt IM neuen EInkaufszentrum, vorerst noch hinter dem Bauzaun

Na toll, das können wir nicht besuchen. Gehen wir halt ins College, das soll auch schön sein. Das hat auch 6 Tage die Woche geöffnet. Außer Samstag…und was haben wir heute… Bingo!

Das College - natürlich geschlossen

Das College – natürlich geschlossen

Die Sonne scheint zwar, aber es weht ein kalter Wind durch die Granitstadt. Mara zittert schon und wir müssen jetzt unbedingt irgendwo rein. St. Andrews Cathedral findet sich um die Ecke. Wir laufen schon fast dran vorbei, denn die Außenfront ist winzig und sieht so gar nicht nach ‘Cathedral’ aus. Egal, Hauptsache ins Warme.

Der Tiefpunkt des Tages ist erreicht, denn ab hier wird es nun besser. Die Tür ist nämlich offen und wir kommen rein. Innen erwartet uns, nunja, was eigentlich? Ein weißes Kirchenschiff, riesengroß und überall mit Gold verziert. Naja, Tochter gefällts und warm ist auch.

Die 'Cathedral', von innen deutlich größer als von aussen

Die ‘Cathedral’, von innen deutlich größer als von aussen

Dafür kommt eine Dame auf uns zu. Wir hatten vorher schon bemerkt, dass im Seitenschiff eine Art Kaffeekränzchen abgehalten wird. Wir werden nicht eingeladen (zum Glück, Smalltalk ist nicht so mein Ding) aber immerhin auch nicht rausgeschmissen. Sie meint nur, dass die Kirche eigentlich geschlossen ist, aber da wir nun mal drin sind, dürfen wir auch gerne bleiben, und fotografieren dürfen wir auch.

Wir befinden uns übrigens in einer Episkopalen Kirche, der Wiege der amerikanischen und dementsprechend auch die Ausstattung. Mit US Bundesstaaten an der Decke zum Beispiel.

güldene Deko, Tochter gefällts

güldene Deko, Tochter gefällts

Aber nett, und aufgewärmt sind wir auch. Also wieder raus auf die Union Street. Immerhin hat der kalte Wind nun etwas nachgelassen, die Sonne scheint immer noch und die Granitstadt wirkt gar nicht mehr so abweisend.

Die Granitstadt zeigt sich doch noch versöhnlich - mit blauem Himmmel und blühenden Blumen

Die Granitstadt zeigt sich doch noch versöhnlich – mit blauem Himmmel und blühenden Blumen

Um die Ecke ist das Maritime Museum. Dann gucken wir da noch rein, unsre zwei Stunden sind bald abgelaufen. Und das entpuppt sich als Volltreffer. Denn es ist erstens kostenlos und zweitens sehr interessant!

Im Maritime Museum

Im Maritime Museum

Am Eingang bekommt man sofort einen Plan in die Hand gedrückt. Wow, drei Stockwerke. Wir schauen uns um. Jede Menge Schiffsmodelle natürlich, eine Bootskajüte als Kinderspielzimmer, jede Menge alter Dinge. Nett und was man so erwartet.

Was man so erwartet im Maritime Museum...

Was man so erwartet im Maritime Museum…

Aber wir sind ja in der schottischen Stadt des Erdöls und das Museum ist wohl auch von den entsprechenden Firmen gesponsert.

Die Plattform oberer Teil - sie erstreckt sich über drei Stockwerke

Die Plattform oberer Teil – sie erstreckt sich über drei Stockwerke

Da werden einem mal die Größenverhältnisse klar!

Da werden einem mal die Größenverhältnisse klar!

In der Mitte und alle Stockwerke hoch ist das Modell einer Offshore-Ölplattform aufgebaut. Mit allen Details und jede Menge Infos. Interessant vor allem die Details. So ist ein winziger Taucher auf dem Stahlgerüst unterwegs und deutlich tiefer hängt ein ferngesteuertes Tauchboot.

Tauchroboter zum selbst bewegen!

Tauchroboter zum selbst bewegen!

Und diese Dinge darf man dann in echt bewundern. Also Tauchanzüge in unterschiedlichsten Arten bis hin zum Stahlungetüm mit Greifzangen. Und ein echter Tauchroboter hängt rum. Und noch besser: Man darf ein Modell davon in einem Aquarium steuern! Sogar mit einer Kamera wie in echt ist er ausgerüstet. Nicht nur Mara ist begeistert.

EIn Bohrkopf

Ein Bohrkopf

Und auch elektrische Energie wird für Kids schön aufbereitet. So darf man per Knopfdruck bei einem niedlichen Modell in einem Haus jede Menge Energie verbrauchen, die dann mittels Gezeiten-oder Wellenkraftwerk wieder aufgefüllt werden muss.

Wahnsinn, wie fühlt man sich da drunter in 50m Tiefe?

Wahnsinn, wie fühlt man sich da drunter in 50m Tiefe?

Also sehr kurzweilig das Ganze, und einen schönen Blick auf den Hafen hat man auch. Das ist jetzt schon die Überleitung, denn da steht schon unsere Fähre, und da müssen wir jetzt langsam mal hin!

Da wartet schon unsere Fähre

Da wartet schon unsere Fähre

Zwischendurch noch ein schnelles Mittagessen und schon stehen wir vor der Fähre. Hinter einem alten VW-Bus, wie schön. Doch da stehen wir gar nicht lange, denn schon sind wir im recht engen Bauch der MV Hrossey verschwunden. Nachdem uns ja im Ärmelkanal schon etwas blümerant wurden haben wir jetzt etwas Bammel vor der Fahrt durchs Nordmeer. Und die Fähre tut alles, um das zu verstärken. Unser Auto wird an zwei Rädern festgezurrt, im Restaurant sind alle Stühle mit Fangleinen gesichert, und in der Kabine hängt der Hinweis, dass bei rauer See Shop und Bar aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Und eine Bibel hängt da auch noch! Wenn sonst nichts mehr hilft, wahrscheinlich…

Gleich gehts los!

Gleich gehts los!

Aber noch liegen wir im Hafen und schauen auf die Skyline, also eher die Häuserline, natürlich in grau!

Hier sind die Preise zum Glück nicht so unverschämt wie bei DFDS und so leisten wir uns Fish‘ n Chips. Und der Fisch ist riesig und richtig lecker, das lohnt sich also. Zudem sitzen wir am Fenster und der Hafen von Aberdeen zieht nun an uns vorbei. Die seltsamsten Schiffe liegen hier vor Anker. Darauf hatte auch schon das Maritime Museum hingewiesen. Es sind natürlich Ölplattform-Versorger, -Reparierer und was weiß ich. Jedenfalls mal was anderes als die üblichen Containerschiffe.

Seltsame Schiffe im Hafen

Seltsame Schiffe im Hafen

Die Fahrt verläuft ereignislos. Kinderbespaßung gibt es nicht, aber einen Mini-Spielraum, in dem es Mara erstaunlich lange aushält. Auf dem Rückweg zu Kabine rollt das Schiff dann aber doch erheblich, sodass wir unterwegs fast abheben. Also gehen wir früh ins Bett und sind gespannt, was uns auf den Shetlands erwartet.

 

Stellplatz: Fähre